Archiv der Kategorie 'Texte'

nächstes Treffen am 14.12.2010: Klassenkämpfe und Globalisierung

Dienstag 14.12.2010 um 19:30 Uhr
Mehringhof (Blauer Salon)
Gneisenaustr. 2a
U-Bahnhof Mehringdamm (U6/U7) 14.12.2010

Wir haben uns vorgenommen, Beverly Silvers Untersuchung und Thesen vor dem Hintergrund der derzeit stattfindenden Kämpfe noch einmal zu reflektieren. Alle die mitdiskutieren möchten, müssen nicht das gesamte Buch gelesen haben. Als Grundlage haben wir uns auf folgenen Text geeinigt, der die Hauptaussagen des Buches sehr gut zusammenfasst.

Beverly Silver über die weltweiten Klassenbewegungen seit 1870 – eine Buchvorstellung.
Spätestens in den 1990er Jahren schien es für viele, dass mit dem Zusammenbruch des Ostblocks auch die Arbeiterbewegung im Westen an ihr historisches Ende gelangt sei. Nicht nur Politiker, auch viele Sozialwissenschaftler diagnostizierten das endgültige „Ende der Arbeiterklasse“. Und diese schien ihnen – zumindest in hiesigen Breitengraden – Recht zu geben. Es kam zu einem allgemeinen Abflauen von Arbeiterkämpfen, und die die stattfanden, waren in der Regel Rückzugsgefechte, Aktionen gegen Massenentlassungen oder Fabrikschliessungen.

Zweifel an dieser Diagnose hegten u.a. einige SoziologInnen am Fernand Braudel Center an der Binghamton University des Staates New York. Sie gründeten eine World Labor Research Group, die sich an die Aufgabe machte, eine Statistik der weltweiten Arbeiterkämpfe seit 1870 zu erarbeiten. Die Ergebnisse dieser Studie nahm Beverly J. Silver, heute Soziologie-Professorin, zum Ausgangspunkt für die Untersuchung der Arbeiterkämpfe im globalen Maßstab. In ihrem jüngst erschienen Buch „Forces of Labor“ stellt sie einige Thesen auf, die es verdienen, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht zu werden. Leider gibt es bisher noch keine deutsche Übersetzung, daher sollen ihre Thesen hier etwas ausführlicher vorgestellt werden.

Um es vorwegzunehmen: sie kommt nach einer ausführlichen Untersuchung der Entwicklungstendenzen von Klassenkämpfen zu dem Schluss, dass es nicht nur keinen generellen Trend zu weniger Klassenkämpfen gibt, sondern die Verhandlungsmacht der ArbeiterInnen im Laufe des 20. Jahrhunderts gewachsen ist und wir derzeit möglicherweise am Vorabend eines generellen Aufschwungs der weltweiten Kämpfe der Arbeiterbewegung stehen.

In der Tradition der Wallersteinschen Weltsystemtheorie hält sie für die Analyse des Kapitalismus generell eine Erweiterung des zeitlichen und geografischen Rahmens der Untersuchung für unumgänglich. Prozesse wie Arbeiterkämpfe sind dementsprechend nur im globalen Rahmen sinnvoll analysierbar, da diese sich – über die weltweite internationale Arbeitsteilung, globale politische Prozesse als auch über die Verbreitung von Informationen und solidarische Netzwerke – gegenseitig beeinflussen. Ein Abflauen von Arbeiterkämpfen in Regionen, aus denen das Kapital flüchtet, hat i.d.R. einen Aufschwung in den Gegenden zur Folge, in die die Unternehmen verlagert werden. Wenn zudem der zeitliche Rahmen der Betrachtung vergrössert wird, kann man feststellen, dass Prozesse, wie die gegenwärtige Globalisierung durchaus nicht so neu sind, wie vielfach behauptet. Gerade die heutige Situation hat viel Ähnlichkeit mit der Ende des 19. Jahrhunderts, so dass daraus u.U. bestimmte, sich wiederholende Bewegungen in der Entwicklungen des kapitalistischen Welt systems abgeleitet werden können. Die Frage ist dabei nicht, inwiefern sich bestimmte lokale Prozesse von einem Musterprozeß (wie z.B. der kapitalistischen Entwicklung in den Metropolen) unterscheiden, sondern warum gleichartige Bedingungen zu unterschiedlichen (Klassenformierungs-)Prozessen führen. I.d.R. gibt es nicht eine interne Ursache für die Verschiedenartigkeit der Ergebnisse, sondern nur eine Betrachtung der Beziehungen zwischen den einzelnen Prozessen eröffnet umfassende Erkenntnismöglichkeiten der Geschehnisse im Weltsystem. Silver plädiert dabei für die Erkenntnis-Methode des „vereinigenden Vergleichs“, nach der erst eine Betrachtung der Interaktion zahlreicher Subkomponenten das System als Ganzes erklären kann.

den gesamten Text gibt es als pdf

Nächstes Treffen am 7.9.2010 – Thema: Am Anfang war eine informelle Arbeiterpartei…

Wir werden das Papier, welches aus dem Kampf um die von Schließung bedrohte Fabrik INNSE bei Mailand entstanden ist, diskutieren. Nach einem zähen über zwölf Monate langen Kampf, mussten alle ArbeiterInnen wieder angestellt werden. Hier gibt es genauere Informationen über den Kampf.

Dienstag 7.9.2010 um 19:30 Uhr
(ab jetzt wieder 1. Dienstag des Monats!)
Mehringhof (Blauer Salon)
Gneisenaustr. 2a
U-Bahnhof Mehringdamm (U6/U7)

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Türkei – Solidarität mit dem Widerstand der Tekel-Beschäftigten gegen die Regierung und die Gewerkschaften!

Türkei – Solidarität mit dem Widerstand der Tekel-Beschäftigten gegen die Regierung und die Gewerkschaften! (Jan. 2010)

Der Marsch nach Ankara

Am 14. Dezember 2009 verließen Tausende von Beschäftigten der Tekel [1] Betriebe aus Dutzenden türkischen Städten ihre Wohnungen und Familien, um nach Ankara zu fahren. Die Beschäftigten von Tekel wollten mit dieser Reise gegen die schrecklichen Arbeitsbedingungen, die ihnen vom Kapital aufgezwungen werden, kämpfen. Dieser ehrenhafte Kampf der Tekel-Beschäftigten, der nunmehr schon mehr als einen Monat andauert, wird mit der Idee geführt, dass sich am Streik alle Beschäftigten beteiligen sollten. (mehr…)

Interview mit einem Arbeiter aus der Montage bei Daimler in Sindelfingen

Orhan
Arbeiter in der Montage bei Daimler Sindelfingen. In Sindelfingen arbeiten insgesamt 37 000 Menschen »beim Daimler«. Hier werden drei Baureihen montiert: C-Klasse, E-Klasse und S- Klasse.

Außerdem steht dort die größte Entwicklungsabteilung von Daimler weltweit mit ca. 5000 Beschäftigten. C-Klasse und E-Klasse sind ein Bereich mit einem gemeinsamen Center-Leiter und einem Bereichsbetriebsrat. In der E-Klasse arbeiten ca. 5000, in der C-Klasse 3000 Leute in zwei Schichten. Nur im Rohbau (ca. 300 Leute), Presswerk und Lackiererei wird seit ca. 15 Jahren in drei Schichten gearbeitet. Montage: zehn Jahre lang wurden C- und E-Klasse in einem Typenmix am selben Band produziert, jetzt wird jede Baureihe für sich produziert. Die Stückzahl in der E-Klasse beträgt ca. 1100 pro Tag, in der C-Klasse ca. 660 pro Tag.
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Hybridmotor oder Klassenkampf

Der Verbrennungsmotor prägte die kapitalistische Gesellschaft wie wir sie kennen. Seine Krise ist die Krise dieser Gesellschaft.
Der Hybridmotor gaukelt technischen und sozialen Fortschritt vor, in Wirklichkeit ist er eine technologische Sackgasse und repräsentiert eine Niederlage. Er kombiniert das »Alte« (Verbrennungsmotor) mit dem vermeintlich »Neuen« (Elektromotor), um das Image aufzupolieren – damit alles beim Alten bleiben kann. Diese Methode, alles beim Alten zu lassen, macht gerade Schule. Kapital, Staat, Vertretung und der vereinzelte Arbeiter hybridisieren ihre jeweilige Krise. So prägt der Motor weiter alles und jedeN. (mehr…)